++ AZ - 5. Juli 2003, Füssener Blatt ++

Ort der Barmherzigkeit: Das neue Kindergrab
Viel Lob im Dekanatsrat auch für Skulptur von Alois Vogler

Bei der Dekanatsratssitzung wurde den Vertretern der Pfarreien des Dekanates Füssen das Projekt der Gedenkstätte für tot geborene Kinder, das im alten Füssener Friedhof errichtet wird, im Detail vorgestellt: Dekan Karlheinz Knebel stellte Worte des Psalm' 139: "Du hast mich gewoben im Schoße meiner Mutter..." an den Anfang seiner Einstimmung. Mit der Weihe der Ruhestätte, die an keine Konfession gebunden ist, soll erreicht werden, dass Totgeburten einen würdevollen Platz erhalten (wir berichteten).
Beate Begander, Leiterin einer Selbsthilfegruppe für Trauernde, die das Thema vertiefte, wurde schon des Öfteren mit dieser Problematik hautnah konfrontiert. Zum besseren Verständnis wurde eingangs ein Ausschnitt eines Videofilms gezeigt, der die nackte Wahrheit präsentierte. Im günstigsten Fall wurden tot geborene Embryonen, für die keine Bestattungspflicht besteht, in einem Erwachsenengrab mit bestattet, teils auch in Zwischengräbern, das heißt, zwischen zwei Gräbern beigesetzt, oder gar, was völlig legal ist, als medizinischer Sondermüll mit Klinikabfällen verbrannt.
Bereits vor mehr als einem Jahr wurden für dieses Projekt die ersten Fäden gesponnen. In vielen Gesprächen mit tief betroffenen Eltern, Vertretern des Krankenhauses, der Stadt Füssen und einiger Pfarreien wurden Ideen diskutiert und keimte mehr und mehr die Hoffnung, dass hier in Füssen solche unwürdigen Zustände bald der Vergangenheit angehören könnten. Daraus resultierte dann die Gründung einer Initiativgruppe, die sich engagiert der Sache annahm.

Foto: Pater Christoph Kreitmeir
Skulptur

- Eine Männerhand umfasst schützend einen Embryo und gibt ihn gleichzeitig frei -
Symbol für den Tod vor der eigentlichen Geburt.
Die Hand aus Pöllat-Stein, das Kind aus Marmor,
geschaffen vom Füssener Bildhauer Alois Vogler
nach einer Idee von Pater Christoph Kreitmeir.

Foto: Pater Christoph Kreitmeir
Handansicht

Bildhauer Alois Vogler, Schöpfer der Skulptur für das Kindergrab, erzählte von der Problematik, wie schwierig es war, ein Embryo künstlerisch ansprechend zu gestalten. Sein "Büble", wie er es liebevoll nennt, das in Gottes Hand liegt, geschaffen aus einem braunen Stein aus der Pöllatschlucht, nahm jedoch immer mehr Gestalt an. Seine eindrucksvolle Steinstruktur verdeutlicht wundervoll den Inhalt des Psalms. "Du hast mich gewoben...", der ihm als Vorgabe gestellt worden war. Schon vorab, so Vogler, bestand reges Interesse an seiner Arbeit, wie viele Besuche in seinem Atelier beweisen. Für sein großartiges Werk bekam er wohl verdienten Applaus.
Diese letzte Ruhestätte auf denn alten Füssener Friedhof, ins Leben gerufen durch die Initiative engagierter Menschen, ist ein Werk und ein Ort der Barmherzigkeit. Ein würdiger Ort zur Trauerbewältigung und zum Abschiednehmen für die Betroffenen. Den Schmerz und die Trauer kann man niemand abnehmen, aber diese Stätte kann dazu beitragen, die schweren Situationen vielleicht besser ertragen zu können.

Das Kindergrab auf dem Sebastiansfriedhof, die Gedenk- und Ruhestätte für Totgeborene, wurde am Mittwoch, 2. Juli 2003 gesegnet.